Bügelprofi nimmt Wäsche und Vorurteile in die Mangel

Bild: Eifeler Presse Agentur/epa
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Bügelprofi: Glätten Bild: Eifeler Presse Agentur/epa
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NEW-„Bügelprofi“ nimmt Wäsche und Vorurteile in die Mangel

Im neuen Gebäude an der Georgstraße ist man auch aufgrund öffentlicher Sichtbarkeit der Inklusion einen deutlichen Schritt näher gekommen – Täglich gehen an die 40 Körbe Wäsche über die Theke

Euskirchen – Seit vier Monaten arbeiten zwölf Menschen mit Handicap und fünf hauptamtliche Mitarbeiter nun bereits im „Bügelprofi“ an der Georgstraße in Euskirchen. Die Begeisterung über das neue Gebäude ist bei den Beschäftigten der Nordeifelwerkstätten (NEW) nach wie vor sehr groß. Denn die ehemalige Apotheke wurde für die „Bügelprofis“ komplett umgebaut, so dass alle Beschäftigten erstmals gemeinsam in einem großen hellen Raum arbeiten können und darüber hinaus noch über einen eigenen Sozialraum und einen separaten Toilettenbereich verfügen.

„Dreieinhalb Jahre lang waren wir im nahegelegenen Hit-Markt untergebracht, wo wir uns von den Marktmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sehr wertgeschätzt gefühlt haben“, berichtet NEW-Geschäftsführer Georg Richerzhagen. Aber die Räumlichkeiten dort seien sehr verwinkelt gewesen, hätten im Innenteil des Gebäudes gelegen und somit über keine Fenster verfügt. „Im Sommer ist es an den heißen Geräten dann schnell sehr warm geworden“, so Richerzhagen.

Doch was den Geschäftsführer und die „Bügelprofi“-Crew am meisten am neuen Gebäude gefällt, ist die Tatsache, dass man jetzt in der Öffentlichkeit viel besser wahrgenommen wird. „Die Kunden an der Bedientheke haben sofort sämtliche unserer Beschäftigten im Blick. Viele kennen sich mittlerweile, und es werden Grüße hin- und hergeschickt. Wir haben also nicht nur die Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung deutlich verbessert, sondern sind auch einen großen Schritt weiter in Richtung Inklusion gegangen“, so Richerzhagen.

Und dieser Schritt wurde von den Beschäftigten freiwillig mitgegangen, denn die Geschäftsführung hatte die Beschäftigten von Anfang an in die Entscheidung über einen möglichen Umzug mit eingebunden.

„Alle waren sofort begeistert, in dieses helle, freundliche Gebäude mit eigenem Sozialraum und Toilettenbereich umzuziehen“, sagte die Leiterin des „Bügelprofi“, Anne-Gret Krämer, die nicht nur Hauswirtschaftsmeisterin ist, sondern auch ausgebildete Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung und fortgebildet in Gebärdensprache. Denn unter den zwölf Beschäftigten, die hier zusammen mit fünf Hauptamtlichen arbeiten, sind auch einige Gehörlose.

Ganz bewusst hat man sich beim „Bügelprofi“ auch schon vor längerer Zeit dazu entschieden, nur Privatkunden zu bedienen. Zwar ließen sich mit der Wäsche aus Hotels und Pensionen bessere Erträge erzielen, doch geht es den NEW nicht in erster Linie um Gewinn, sondern um die Einbindung von Menschen mit Behinderung in das gesellschaftliche Umfeld. Der Kontakt zu Privatkunden ist dazu weitaus geeigneter als die Geschäftsbeziehung zu anonymen Auftraggebern.

Anne-Gret Krämer freut sich besonders darüber, dass die Privatkunden auch während der Coronaphase dem „Bügelprofi“ die Treue halten. Gut 30 bis 40 Kunden kämen nach wie vor jeden Tag ins Geschäft, und damit gingen ebenso viele Körbe mit Wäsche über die Theke, so dass das Arbeitsaufkommen sich kaum reduziert habe. Um die Beschäftigten zu schützen, wird selbstverständlich bei der Arbeit auf Abstände geachtet und mit Maske gearbeitet. Zudem sorgen Plexiglasscheiben zwischen den Beschäftigten für zusätzliche Sicherheit.

Die Beschäftigte Heike Giesen kann ihrer Chefin nur zustimmen: „Hier ist immer viel los: falten, mangeln, bügeln. Ich arbeite schon seit über 25 Jahren in der Heißmangel, aber hier ist es am schönsten. Wir haben eine tolle Stimmung.“

Voraussetzungen für eine Arbeit im „Bügelprofi“ sind, so teilte Krämer mit, dass sich die Beschäftigten selbständig bewegen und auch Arbeiten allein erledigen können. Leider seien durch die Corona-Situation zurzeit keine Praktika möglich, so bald sich das wieder ändert, soll aber auch „Nachwuchs“ für den „Bügelprofi“ gesucht werden, denn genug zu tun gebe es.

„Um den unterschiedlichen Befähigungen und Vorlieben der Menschen mit Behinderung gerecht zu werden, versuchen die NEW stets viele verschiedene Arbeitsangebote zu schaffen“, so Georg Richerzhagen. In bisherigen Projekten wie Kantinenbetriebe und Lebensmittelgeschäfte habe man beste Erfahrungen gesammelt, was die Arbeit in der Öffentlichkeit angehe. „In diesen Bereichen sieht man sehr schnell, wie Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und auch Selbständigkeit steigen“, so Richerzhagen. Menschen mit Behinderungen in die öffentliche Alltags- und Berufswelt zu integrieren, sei eine der wichtigsten Aufgaben, der sich die NEW stellten.

Die Öffnungszeiten des „Bügelprofi“ sind montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr sowie samstags von 8 Uhr bis 14 Uhr.

Eifeler Presse Agentur/epa

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