Neue Leitung bei NEW JOB

Barbara Valder (v.l.) und Tanja Scheuls ©Eifeler Presse Agentur/epa

Neue Leitung bei NEW JOB, Fachdienst für Menschen mit Behinderung

Barbara Valder kann sowohl auf pädagogische wie betriebswirtschaftliche Ausbildungen und Erfahrungen zurückblicken – Tochterfirma der Nordeifelwerkstätten bringt Menschen mit Einschränkungen über diverse Angebote wieder auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Kreis Euskirchen – Der Fachdienst NEW JOB vermittelt Menschen mit Behinderungen Praktika, Berufsintegrierte Arbeitsplätze (BiAp), ermöglicht Fortbildungen und sogar den Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung, sofern möglich. Als Konsequenz neuer Vorgaben von Politik und Kostenträger haben die Nordeifelwerkstätten, die Dachgesellschaft von NEW JOB, jetzt den Fachdienst umstrukturiert. Zum Jahresbeginn 2021 übernimmt Barbara Valder die Leitung. Beim Altbewährten bleiben soll aber getreu dem Leitbild der Nordeifelwerkstätten (NEW), dass der Mensch weiter im Mittelpunkt der zahlreichen Aktivitäten steht.

Tanja Scheuls, Geschäftsfeldleitung Bildung und berufliche Integrationsdienste bei den NEW, erklärt die Aufgaben des Fachdienstes so: „Auf der einen Seite analysieren wir, welche Berufsfelder zu dem Menschen mit Behinderungen passen können und sich mit den Wünschen desjenigen decken.“ Dazu finden nicht nur Gespräche und Tests statt, auch durch gezielte Fortbildungen, Praktika oder BiAps können die Möglichkeiten ausgelotet werden. „Auf der anderen Seite ist der Kontakt zu Unternehmen wichtig – da gibt es oft noch Hemmschwellen“, so Scheuls. Die Erfahrungen, die Unternehmer mit Menschen mit Einschränkungen machen, seien aber überwiegend positiv. Eine oft überdurchschnittliche Identifikation mit der Arbeitsstelle, eine hohe Motivation und Einsatzbereitschaft würden immer wieder genannt.

Scheuls: „Menschen mit Handicap können sehr leistungsfähig und leistungsbereit sein, aber natürlich nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“ Jemanden, der aufgrund von Burnout eine psychische Einschränkung hat, mit Akkordarbeit zu konfrontieren, sei da selbstverständlich keine gute Idee, „das muss schon passen“, so Scheuls, „aber dass in ihnen viele Potentiale schlummern, verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten vorhanden sind, erleben wir und Partnerunternehmen tagtäglich.“ Das Leistungsniveau sei durchaus unterschiedlich, doch selbst wenn ein Werkstattbeschäftigter in einer Prozesskette nur zwei bis drei Teilschritte beherrscht, diese jedoch mit Perfektion und Leidenschaft ausübt, und dann ein Unternehmen genau den Menschen sucht, der diese Teilschritte verantwortungsvoll übernimmt, sei das für alle Beteiligten ein Gewinn. Tanja Scheuls: „So können Nischenarbeitsplätze in einem Unternehmen entstehen, die genau das richtige Betätigungsfeld für den Menschen mit Behinderung außerhalb der Werkstatt darstellen - und so kann dann Inklusion auch im Arbeitsleben funktionieren!“

Dass dabei Wirtschaftlichkeit und menschliche Belange in einem sinnvollen Verhältnis stehen müssen, ist für Barbara Valder selbstverständlich. Denn die 38-jährige Euskirchenerin kann nicht nur auf eine pädagogische Ausbildung mit Berufserfahrungen auch im sonderpädagogischen Bereich zurückblicken, sondern hat durch eine langjährige Tätigkeit im Bankenwesen und Vertriebsmanagement und drei Jahre Erfahrung und Netzwerkarbeit mit Unternehmen bei der Wirtschaftsförderung Kreis Euskirchen auch ideale Voraussetzungen als neue Leiterin der NEW JOB.

Seit etwa einem Jahr arbeitet Valder bei den NEW und sagt: „Es bringt mir einfach sehr viel Freude, die Entwicklung bei vielen Menschen hier zu sehen.“ Wieder eine Aufgabe zu bekommen, seinen Wert beweisen zu dürfen und dafür Anerkennung zu bekommen, sei für jeden wichtig. Und so kommt es sonntagabends durchaus vor, dass die gebürtige Österreicherin sich keinesfalls vor dem Montagmorgen graut, sondern sich sogar auf eine neue spannende Arbeitswoche freut.

Obwohl sie gerade auch durch ihre Zeit bei der Kreiswirtschaftsförderung ein gutes Netzwerk zu Unternehmern und Unternehmerinnen hat, ist erklärtes Ziel, noch mehr Firmen für die Zusammenarbeit mit NEW JOB zu interessieren und neben menschlichen Aspekten auch wirtschaftliche Vorteile wie staatliche Fördermöglichkeiten bekannter zu machen.

Zu der Umstrukturierung gehört nicht nur der Leitungswechsel, sondern auch eine Orts-Änderung bei den Jobcoaches des Fachdienstes. Diese waren bislang, wenn sie nicht ihre Klientel bei Außenterminen betreut haben, am NEW-Hauptsitz in Kuchenheim ansässig. Nun sind sie auf die im gesamten Kreis vorhandenen NEW-Werkstattstandorte verteilt. Tanja Adolf etwa, bisherige Leiterin NEW JOB, betreut jetzt die NEW-Beschäftigten in Zingsheim: „Ich bin hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge angekommen. Ich habe den Fachdienst ja mit meinem Team aufgebaut und da viel Herzblut hineingesteckt.“ Auf der anderen Seite freut sie sich darauf, wieder direkter mit den Menschen zu tun zu haben und gezielt in der Zingsheimer Werkstatt beraten und fördern zu können.

Tanja Adolf: „Wir schauen – gerne auch gemeinsam mit Freunden und Freundinnen sowie Familie – wo die Interessen und Stärken der Interessenten und Interessentinnen liegen und suchen dann den passenden Job im passenden Betrieb.“ Und das sehr erfolgreich, wie die Geschichten und Entwicklungen zahlreicher Beschäftigten zeigen, die aus dem geschützten Werkstattbereich der NEW den Schritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gewagt haben. Ob in Alten- und Pflegezentren, in Kindertagesstätten und Familienzentren, der Verwaltung von Kreis, Stadt, Verbänden oder Gemeinden, der Rezeption der Caritas oder beim Physiotherapeuten, im Museum, bei Bauhöfen, als Maler, im Forstbetrieb und vielen weiteren Bereichen, darunter auch die eigene Firma EuLog, die Arbeitsplätze und Ausbildung in Logistik, Einzelhandel und handwerklichen Dienstleistungen bietet.

Wichtig sei, dass die Beschäftigten beim Übergang, in Praktika und BiAps nicht auf sich allein gestellt sind, denn natürlich gebe es wie überall auch einmal Probleme, oft durch Missverständnisse hervorgerufen. „Dann suchen wir gemeinsam nach kreativen Lösungen“, so Tanja Adolf. Denn die Beschäftigten werden weiter von NEW JOB betreut, haben auch einen Unfall- und Versicherungsschutz. Überhaupt sei Lösungsorientiertheit eine wichtige Eigenschaft in diesem Bereich, wie Thorsten Baur, ein weiterer Job-Coach nun in Kall stationiert von NEW JOB, sagt: „Mich ärgert immer, wenn jemand sagt »das geht nicht» – irgendetwas geht immer.“

Gerade im Übergangsbereich sei der Fachdienst sehr erfolgreich, betont Tanja Scheuls. Der Kostenträger verlange aber auch Schlüsselzahlen zum Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Gerade dies sei aber manchmal ein Spagat: „Wir möchten nicht für Drucksituationen sorgen, denen der- oder diejenige nicht gewachsen ist und die dann in einem Misserfolg führt. Dadurch kann viel über lange Zeit aufgebautes Vertrauen und Selbstbewusstsein wieder zerstört werden.“

Aber selbst wenn einmal etwas schiefgeht, sei NEW JOB wieder zur Stelle. Barbara Valder: „Überhaupt sind bei uns kreative Lösungen gefragt und willkommen, man darf und soll hier seine eigenen Ideen einbringen.“ Und daran mangelt es dem Team offensichtlich nicht. So gibt es aktuell Überlegungen, wie man auch Menschen mit Einschränkungen, die nicht NEW-Beschäftigte sind, durch NEW JOB beim Sprung auf den Arbeitsmarkt hilfreich zur Seite stehen kann. Tanja Scheuls: „Mit der nötigen Offenheit gepaart mit ein wenig Abenteuerlust gibt es schnell eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Unternehmer und Unternehmerinnen sollen sich nicht scheuen, mit uns Kontakt aufzunehmen, um verschiedene Möglichkeiten zu besprechen.“

EifelerPresseAgentur/Epa

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